Ist das Wort "lean" ein Synonym für steigende Bestände?

Wir arbeiten gerne mit modischen Schlagworten. In den letzten Jahren war alles "lean" und "nachhaltig". Wie so oft gehen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander.
Eine Auswertung der Sonderstatistiken der deutschen Bundesbank zeigt, das seit 1997 im verarbeitenden Gewerbe die Bestände inflationsbereinigt um 90 Mrd. € gestiegen sind.
Das Verhältnis der Bilanzposition "Vorräte" zum Umsatz hat sich von 13,5% im Jahr 1997 auf 14,4% im Jahr 2014 erhöht. Durch die Weltwirtschaftskrise gab es 2008/2009 einen Bestandssprung von 1,4%, danach wurde das Vorkrisenniveau nicht mehr erreicht.
Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Systeme und Prozesse nicht flexibel genug sind um sich veränderten Bedingungen in einem angemessenen Zeitrahmen anzupassen. Ohne energisches Gegensteuern bauen sich Bestände nur sehr zäh ab.
Diese Bestände bieten auch keine Sicherheit, da sie unbewußt "zufällig" entstanden sind und nicht ein Planungsergebnis darstellen.
Das niedrige Zinsniveau verführt dazu nicht konsequent genug an den Beständen zu arbeiten, es drohen aber viele Risiken. Das akut größte Risiko ist mangelnde Liquidität, da zuviel Kapital in Bestände gebunden ist. Hauptgrund für Insolvenzen ist nicht die Überschuldung, sondern fehlende Liquidität (Zahlungsunfähigkeit). Überbestände führen zu Folgekosten (Lagerung, erhöhter Inventurumfang) und einem höheren Risiko der Obsoleszenz. Gerade die Prognosen, dass in vielen Branchen disruptive Umbrüche drohen bzw. gerade im Gange sind, erhöhen die Gefahr von Überbeständen.
Gute Jahre ungenutzt verstreichen zu lassen und Prozesse und Geschäftsmodelle nicht zu verbessern wird sich in Krisenzeiten für einige Unternehmen bitter rächen.